Die Versetzungsfalle: Wenn Transparenz auf flache Hierarchien prallt

Das Urteil des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen vom 12. Januar 2026 (Az. 4 SLa 454/25) hat einen wunden Punkt deutscher HR-Praxis freigelegt: Eine Abteilungsleiterposition, die im Zuge einer Umstrukturierung von vier auf zwei Teams und auf rund 18 Mitarbeitende verkleinert wurde, ist keine „gleichwertige“ Tätigkeit im Sinne des § 106 GewO – auch dann nicht, wenn Titel und Vergütung formal unverändert bleiben. …

Unternehmensweite Software und Mitbestimmung: Wer ist zuständig?

Wer als Manager die Einführung einer unternehmensweiten Software verantwortet, steht regelmäßig vor einer Frage, die auf den ersten Blick banal wirkt und auf den zweiten Blick über Monate der Projektlaufzeit entscheidet: Mit welchem Gremium ist zu verhandeln – mit dem Gesamtbetriebsrat oder mit den örtlichen Betriebsräten? Die Praxis zeigt, dass diese Weichenstellung häufig beiläufig getroffen wird, obwohl an ihr die …

Das BEM in fremde Hände geben – was für externe Dienstleister spricht und was dagegen

Externe Dienstleister im Eingliederungsmanagement – was dafür spricht, was dagegen, und wo die Verantwortung bleibt Eine Frage, die falsch gestellt wird Die Frage, ob ein Unternehmen sein Betriebliches Eingliederungsmanagement selbst durchführen oder einem externen Dienstleister übertragen sollte, wird in der Praxis fast immer als Kostenfrage behandelt. Das ist der falsche Zugang. Sie ist eine Frage der Verfahrensarchitektur – und dahinter …

Malaria am Frankfurter Flughafen: Wenn der Mückenstich zum Versicherungsfall wird

Vier Beschäftigte des Frankfurter Flughafens haben sich mit Malaria infiziert, ohne verreist zu sein. Übertragen hat die Tropenkrankheit aller Wahrscheinlichkeit nach eine Mücke, die als blinder Passagier im Flugzeug mitgereist ist. Der Vorgang ist medizinisch eine Rarität. Arbeits- und sozialrechtlich wirft er eine Frage auf, die weit über Frankfurt hinausweist: Wer trägt das Risiko, wenn der Arbeitsplatz Erreger importiert, die …

Buddy oder Butler: Arbeitszeiterfassung, unbezahlte Mehrarbeit und die Vorbildfunktion des Gesetzgebers

Was ein Urteil des Arbeitsgerichts Berlin gegen eine Bundestagsabgeordnete über die Rechtslage bei Überstunden verrät Wer sich politisch für Arbeitnehmerrechte einsetzt, wird als Arbeitgeber an denselben Maßstäben gemessen. Die taz. die tageszeitung hat am 11. Juli 2026 unter dem Titel „Zwischen Buddy und Butler“ einen Fall dokumentiert, der diese Spannung zwischen Wort und Tat in seltener Deutlichkeit sichtbar macht (Kersten …

Wenn nicht die Krankheit die Kündigung kippt, sondern das BEM

Das BEM als Beweislastfalle: Warum krankheitsbedingte Kündigungen an der Form scheitern Verfahrensfehler nach § 167 Abs. 2 SGB IX – und wie beide Seiten sie erkennen Der wahre Streitgegenstand beim BEM Im Regelfall beginnt die Auseinandersetzung um eine krankheitsbedingte Kündigung nicht mit der Frage, ob der Beschäftigte krank war. Sie beginnt mit der Frage, was der Arbeitgeber vorher unternommen hat. …

Keine Zielvereinbarung, voller Bonus – Die Wichtigsten Fragen & Antworten für Manager

Variable Vergütungssysteme sind aus dem Führungsalltag nicht mehr wegzudenken. Doch was passiert, wenn Zielvorgaben schlicht ausbleiben? Müssen Boni dann trotzdem gezahlt werden? Aktuelle Urteile, etwa vom Bundesarbeitsgericht (BAG, Urt. v. 17.01.2024 – 10 AZR 57/24), sorgen für Klarheit – und eröffnen Führungskräften überraschende Chancen. Für Geschäftsführer, leitende Angestellte und Personalverantwortliche ist es deshalb essenziell, die rechtlichen Spielräume bei Bonusregelungen zu …

Kündigung nach der Elternzeit: Warum der Betriebsrat über den Schutz junger Mütter entscheidet

Die Rückkehr aus der Elternzeit verläuft für viele Frauen anders als erwartet. Statt an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren, erleben sie eine kühlere Atmosphäre, veränderte Zuständigkeiten oder das deutliche Signal, nicht mehr gebraucht zu werden. In manchen Fällen folgt die Kündigung. Die Zahlen dazu sind eindeutig: Eine im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellte Studie (Prognos AG, 2022) zeigt, dass 15 …

Vier Jahre ohne Grund – Die geplante Ausweitung der sachgrundlosen Befristung – und was sie für Beschäftigte bedeutet

Der Koalitionsausschuss hat am 2. Juli 2026 beschlossen, die sachgrundlose Befristung von zwei auf vier Jahre auszuweiten. Wer diesen Satz überliest, unterschätzt seine Tragweite. Denn hinter der schlichten Verdopplung einer Höchstfrist verbirgt sich eine der spürbarsten Verschiebungen des Kräfteverhältnisses zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer, die das Teilzeit- und Befristungsgesetz in den letzten zwei Jahrzehnten erlebt hat. Was in Sachen Befristung beschlossen …

KI-Agenten im Betrieb: Mitbestimmung, Datenschutz und die Grenzen für Geheimnisträger

KI-Agenten haben den betrieblichen Alltag erreicht. Anders als klassische Chatbots, die auf eine Eingabe eine Antwort liefern, verfolgen KI-Agenten selbstständig ein vom Anwender vorgegebenes Ziel innerhalb eines definierten technischen Rahmens. Sie planen Zwischenschritte, greifen auf externe Werkzeuge und Datenquellen zu und erledigen Aufgaben, ohne dass jeder einzelne Schritt vom Menschen angestoßen wird. Diese Selbstständigkeit ist der Grund, warum sich für …