Selbst gekündigt und dann kam die Retourkutsche – Fristlose Kündigung

Kann mein Chef mich einfach fristlos kündigen, weil ich selber gekündigt habe? –  Die richtige Antwort lautet: Ja, er kann. Aber: Die Kündigung des Arbeitgebers in einer solchen Situation wird sehr oft unwirksam sein, wenn Sie dagegen Kündigungsschutzklage vor dem Arbeitsgericht erheben.

Wenn solche Fälle bei uns auf dem Tisch oder besser auf dem Bildschirm landen denken wir immer: Ach nee. tut denn das Not?

Niemand hat etwas davon. Nicht einmal der Chef mit der Fristlosen Kündigung. Denn hinterher gibt es nen Kündigungsschutzverfahren. Gerade kam wieder eine entsprechende Fallgestaltung rein …


Hier die Anfrage über unser Kontaktformular, die wir aus Gründen des Datenschutzes leicht verändert haben:

Guten Abend,
Ich wollte mich informieren, ich habe mich am 29.12.21 bei meinem Arbeitgeber selber gekündigt. Doch ein Tag später am 30.12.21 bekam ich per Post von ihm eine fristlose Kündigung. Ich arbeite bei einem Pflegedienst und die Chefin meinte, dass ich zweimal die Zeiten falsch eingetragen hätte. Und das ist für sie ein Betrug. Offensichtlich konnte sie mit meiner Kündigung nicht umgehen und hat deshalb Gründe gesucht um mich zu kündigen. Für mich ganz klar eine Art Rache. Einen Tag nach meiner Kündigung.

Meine Frage ist, bekomme ich diesem Fall meinen letztes Gehalt für Dezember ganz normal? Und wie sieht es mit dem Gehalt für Januar aus?

Habe ich da einen Recht drauf?

Mit freundlichen Grüßen


Hallo Frau ….,

auf den ersten Blick wirkt es wirklich so, als hätte der Arbeitgeber hier eine Revanche für Ihre Kündigung genommen. Solche Fälle von Rachekündigung oder Revenchekündigung kommen leider recht häufig vor. Ohne Rechtsschutzversicherung sind dies oft Grenzfälle für den Fachanwalt für Arbeitsrecht. Denn außergerichtlich und in der ersten Instanz beim Arbeitsgericht zahlt jede Seite den Anwalt selber.
Aber zu Ihrer Fragestellung:
Es spricht hier viel für eine unwirksame fristlose Kündigung.
Allerdings sind falsche Angaben bei der Arbeitszeit grundsätzlich geeignet, eine fristlose Kündigung zu begründen.
Aber im Einzelnen:
  • Bei der Frage der fristlosen kommt es auf verschiedene Punkte an, die ich ohne weitere Informationen nicht beantworten kann. Wenn es in der Vergangenheit Ungenauigkeiten gab und Ihre Arbeitszeiten in der Summe grundsätzlich richtig waren, reicht das sicherlich nicht für eine fristlose Kündigung ohne vorherige Abmahnung. Wenn Sie sich hingegen – was ich nicht annehme – z.B. halbe oder ganze Arbeitstage ausgedacht hätten, dann wäre es möglicherweise ein Grund.
  • Zu Ihrer Frage hinsichtlich des Lohnanspruchs: Sie haben nach dem, was ich aus Ihrer Anfrage lesen kann, zumindest bis zum 30.12.2021 ohne Zweifel einen Anspruch auf Lohn. Denn frühestens zu diesem Zeitpunkt könnte das Arbeitsverhältnis durch die – möglicherweise unwirksame – fristlose Kündigung des Arbeitgebers enden.
Ein Hinweis: wenn Sie nicht bis zum 20.1.22 bei dem für Sie zuständigen Arbeitsgericht Kündigungsschutzklage eingereicht haben, wird die fristlose Kündigung wirksam!
Wenn Sie weitere Fragen haben, melden Sie sich gerne.
Mit freundlichen Grüßen
Axel Pöppel
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht

RA Axel Pöppel


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Personalgespräch: Heimliche Aufzeichnung führt zur Kündigung

Als der Arbeitgeber und der Betriebsrat zum Personalgespräch luden, zeichnete ein Arbeitnehmer die im diesem Rahmen gesprochenen Worte auf. Diese Verletzung der Persönlichkeitsrechte führte zur fristlosen Kündigung. Dass diese auch rechtmäßig ist, entschied das Hessische Landesarbeitsgericht in einem kürzlich bekannt gewordenen Urteil.

Zu dem Personalgespräch kam es, weil dem Arbeitnehmer vorgeworfen wurde, seine Kollegen beleidigt und sogar verbal bedroht zu haben. So hatte er einen Teil seiner Kollegen in einer E-Mail als „low performer“ und „faule Mistkäfer“ bezeichnet. Hierfür kassierte er zunächst eine Abmahnung.

Offene und erkennbare Aufzeichnung des Gesprächs?

Einige Monate später luden dann Betriebsrat und der Vorgesetzte zum Personalgespräch. Dieses zeichnete der Arbeitnehmer heimlich mit seinem Smartphone auf. Als der Vorgesetzte dies später zufällig erfuhr, sprach er die fristlose Kündigung aus. Hiergegen klagte der Arbeitnehmer und berief sich darauf, dass er nicht gewusst habe, dass eine solche Ton-Aufnahme verboten gewesen sei. Außerdem habe er sein Smartphone während des gesamten Gesprächs offen auf dem Tisch liegen gehabt…WEITERLESEN

Personalgespräch: Heimliche Aufzeichnung führt zur Kündigung/ Bild: Unsplash.com


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