Bei Volkswagen gilt Kündigungsschutz bis Ende 2030. Wer daraus Sicherheit ableitet, verwechselt eine Frist mit einer Garantie. Der Abbau hat längst begonnen — nur leise. Am 9. Juli 2026 stellte der Vorstand von Volkswagen dem Aufsichtsrat ein „Zielbild 2030″ vor: zwölf Initiativen, eine um bis zu 50 Prozent gestraffte Modellpalette, eine um bis zu 75 Prozent reduzierte Ausstattungskomplexität. Über Werksschließungen …
Buddy oder Butler: Arbeitszeiterfassung, unbezahlte Mehrarbeit und die Vorbildfunktion des Gesetzgebers
Was ein Urteil des Arbeitsgerichts Berlin gegen eine Bundestagsabgeordnete über die Rechtslage bei Überstunden verrät Wer sich politisch für Arbeitnehmerrechte einsetzt, wird als Arbeitgeber an denselben Maßstäben gemessen. Die taz. die tageszeitung hat am 11. Juli 2026 unter dem Titel „Zwischen Buddy und Butler“ einen Fall dokumentiert, der diese Spannung zwischen Wort und Tat in seltener Deutlichkeit sichtbar macht (Kersten …
Drei Wochen am Stück: Der Anspruch auf zusammenhängenden Urlaub
Viele Betriebe genehmigen Urlaub grundsätzlich nur für zwei Wochen in Folge. Ein Beschluss des Landesarbeitsgerichts Thüringen zeigt, dass diese Praxis den gesetzlichen Regelfall auf den Kopf stellt – und dass Beschäftigte ihren Anspruch notfalls im Eilverfahren durchsetzen können. Der Wunsch, den Jahresurlaub am Stück zu nehmen, ist alltäglich, seine rechtliche Durchsetzung dagegen häufig konfliktbehaftet. In der betrieblichen Praxis begegnet die …
Dummer Kanake – Wenn der Sonderkündigungsschutz auch dem Betriebsrat nicht mehr hilft – und der Arbeitgeber trotzdem zahlt
Was Personalleitungen aus dem Outokumpu-Fall (ArbG Krefeld 4 Ca 491/25 / LAG Düsseldorf 11 SLa 502/25) lernen müssen Der Sachverhalt war so eindeutig, wie er selten ist. Ein langjährig beschäftigtes Betriebsratsmitglied beschimpft einen Kollegen im gemeinsam genutzten Betriebsratsbüro als „dummer Kanake“ und droht ihm, ihn „in Y aufzulauern und zu erschießen“. Andere Beschäftigte müssen eingreifen. Die Arbeitgeberin – eine Tochter …
Unwirksame Kündigung – aber kaum Geld: Die neue Rechtsprechung zum Annahmeverzugslohn und was das für Führungskräfte bedeutet
Eine Kündigung ist unwirksam – und trotzdem bekommt der Arbeitnehmer kaum Geld. Was nach einem Widerspruch in sich klingt, ist nach einer aktuellen Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen (LAG Niedersachsen, Urt. v. 11.12.2024, 5 SLa 465/25) traurige Wirklichkeit. Das Gericht kappte den Annahmeverzugslohn eines unwirksam gekündigten Produktionshelfers auf gut dreißig Tage – weil er nach Auffassung des Gerichts mit seiner Qualifikation …
Prozesskostenhilfe im Arbeitsrecht: Warum ich davon grundsätzlich abrate
Wer eine Kündigung erhält, hat zwei Sorgen gleichzeitig. Wie geht es weiter? Und was kostet ein Anwalt? Auf die zweite Frage scheint es eine entlastende Antwort zu geben: Prozesskostenhilfe. Der Staat zahlt, sagt der erste Eindruck. Niemand riskiert etwas, sagt der zweite. Beides ist nur halb richtig. Was § 120a ZPO mit dem Endergebnis Ihrer Kündigungsschutzklage zu tun hat Ich …
Dienstwagen für Betriebsräte: Warum eine gut gemeinte Geste den Geschäftsführer teuer zu stehen kommen kann
Ein freigestelltes Betriebsratsmitglied erhält einen Dienstwagen mit Privatnutzung. Die Dienstwagenrichtlinie sieht das für die ursprüngliche Position nicht vor. Die Überlassung erfolgt im Zusammenhang mit einer Zusatzfunktion, die ausschließlich Betriebsratsmitgliedern angeboten wird. Als die Funktion entfällt, fordert der Arbeitgeber den Wagen zurück. Das Betriebsratsmitglied klagt auf Nutzungsausfallentschädigung. LAG Niedersachsen, Urt. v. 03.11.2025 – 15 SLa 418/25 Das LAG Niedersachsen hat die …
Gekaufte Onlineatteste: Was Führungskräfte jetzt wissen müssen
Die aktuelle Rechtsprechung zeigt eindeutig: Wer sich für wenige Euro eine Krankschreibung im Internet kauft, riskiert seinen Job – und zwar zu Recht. Das Landesarbeitsgericht Hamm hat im November 2024 (Az. 14 SLa 145/25) entschieden, dass die fristlose Kündigung eines IT-Consultants wirksam ist, der ein online erworbenes Attest vorgelegt hatte. Für Geschäftsführer und Personalverantwortliche ist diese Entscheidung aus mehreren Gründen …
Abfindung versteuern: Fünf Stellschrauben, die vor der Unterschrift bedacht werden sollten
Die Höhe der Abfindung ist das Ergebnis der Verhandlung. Was davon übrig bleibt, ist das Ergebnis der steuerlichen Gestaltung. Bei Führungskräften mit Abfindungen im sechsstelligen Bereich kann die Differenz zwischen einer durchdachten und einer ungestalteten Abfindung leicht im fünfstelligen Bereich liegen – im Einzelfall auch darüber. Fünf Stellschrauben beeinflussen, wie viel am Ende tatsächlich auf dem Konto ankommt. Keine davon …
Sperrzeit vermeiden: Kündigung plus gerichtlicher Vergleich als sichere Strategie
Die Kombination aus arbeitgeberseitiger Kündigung und anschließendem gerichtlichen Vergleich nach § 278 Abs. 6 ZPO ist das zuverlässigste Instrument zur Sperrzeitvermeidung beim Arbeitslosengeld. Anders als der Aufhebungsvertrag löst ein gerichtlicher Vergleich nach den Fachlichen Weisungen der Bundesagentur für Arbeit grundsätzlich keine Sperrzeit aus – sofern kein vorausgegangenes versicherungswidriges Verhalten vorliegt. Das Bundessozialgericht hat diese Privilegierung in seiner Leitentscheidung vom 17.10.2007 …