Abbummeln von Überstunden

Viele Arbeitnehmer stehen vor der Wahl: Überstunden abbummeln, das heißt durch Freizeit ausgleichen, oder lieber ausbezahlen lassen. Im Regelfall gilt dabei, dass Überstunden zusätzlich zum Monatsgehalt zu bezahlen sind, wenn der Arbeitgeber sie angeordnet hat. Viele Arbeitgeber sind aber nicht dazu bereit, die Überstunden auszubezahlen. Sie fordern stattdessen von ihren Arbeitnehmern, dass diese die angesammelten Überstunden abbummeln.

Abgeltung durch Freizeitausgleich

Abbummeln von Überstunden/ Bild: Unsplash.com

Falls zur Abgeltung von Überstunden vertraglich nichts geregelt wurde, kann der Arbeitgeber seine Mitarbeiter nur dann dazu auffordern, die Überstunden abzubummeln, wenn diese mit dem Freizeitausgleich

auch einverstanden sind. Arbeitnehmer haben grundsätzlich einen Anspruch auf Beschäftigung – daher kann ihnen die Freizeit nicht einfach vorgeschrieben werden. Der Arbeitgeber ist in der Regel nicht berechtigt, den Arbeitnehmer einseitig von der Arbeit freizustellen.

Regelung im Arbeitsvertrag

Allerdings kann im Arbeitsvertrag festgelegt werden, dass Überstunden durch Arbeitsbefreiung abgegolten werden. Der Arbeitgeber kann also dazu ermächtigt werden, anzuordnen, dass der Arbeitnehmer die angesammelten Überstunden abbummeln soll. In solchen Fällen muss der Arbeitnehmer dem Abbummeln der Überstunden nicht zustimmen. Ohne vertragliche Grundlage darf der Arbeitgeber allerdings nicht verlangen, das Überstunden abgebummelt werden. Der Arbeitnehmer muss dem Abbummeln dann immer zustimmen. Aber wenn der Arbeitnehmer auf Anordnung des Arbeitgeber hin widerspruchslos von der Arbeit fernbleibt, kann man nicht ohne Weiteres von seinem Einverständnis ausgehen.

Regelung im Tarifvertrag und Betriebsvereinbarungen

Oftmals finden sich Regelungen zum Ausgleich und Abbummeln von Überstunden in Tarifverträgen und Betriebsvereinbarungen. In diesem Zusammenhang sollte der Arbeitnehmer aber dringend darauf achten, ob auch sogenannte Verfallklauseln bestehen. Grundsätzlich ist es nämlich möglich, festzulegen, dass Ansprüche aus angesammelten Überstunden nach einer bestimmten Zeit verfallen, wenn sie vom Arbeitnehmer nicht geltend gemacht werden. Hierzu bedarf es aber einer ausdrücklichen schriftlichen Regelung. Eine gesetzliche Verfallfrist, wie etwa bei Urlaubsansprüchen, gibt es nicht. Die Verfallfrist in Tarifverträgen darf allerdings nicht kürzer als drei Monate sein.

Können Überstunden verfallen?

Einzig die allgemeinen Verjährungsfristen sind auch für Vergütungs- oder Abgeltungsansprüche aus Überstunden zu beachten. Daher sollte die allgemeine Verjährungsfrist von drei Jahren stets

Abbummeln von Überstunden/ Bild: Unsplash.com

im Hinterkopf behalten werden. Angesammelte Überstunden sollten daher regelmäßig geltend gemacht werden – auch um den Betriebsfrieden zu wahren. So sollte man es seinem Arbeitgeber nicht unbedingt zumuten, womöglich über Jahre hinweg angesammelte Überstunden auf einmal abbummeln zu wollen, damit diese nicht verfallen.

Um Konflikte zu vermeiden, sollten Arbeitnehmer ihre Überstunden detailliert dokumentieren und regelmäßig das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen. Auch eine ausgiebige Lektüre von einschlägigen Regelungen in Betriebsvereinbarungen oder Tarifverträgen ist empfehlenswert, damit man sich seiner Rechte bewusst ist.


Mehr zum Thema Kündigungsschutz: ArbeitslosenversicherungKündigungsfristenKündigungsschutzklage MindestlohnKündigungsschreiben


Denken Sie daran!

Da Arbeitsrechtssachen schnell gelöst werden sollten, gibt es bei uns grundsätzlich umgehend einen ersten Beratungstermin. Wenn möglich noch am selben Tag, sonst tags darauf. Schreiben Sie uns eine Nachricht oder rufen Sie direkt an. Wir sind telefonisch von Mo-Fr in der Zeit von 08:00 – 18:00 Uhr erreichbar.


Auch interessant:

Übertsunden auszahlen ohne Zustimmung

Im letzten Teil unserer 20teiligen Reihe zu den Irrtümern im Arbeitsrecht nochmal das Thema Überstunden. In vielen Arbeitsverträgen steht, dass Überstunden mit dem Lohn abgegolten sind und nicht gesondert bezahlt werden. Eine solche pauschale Regelung benachteiligt die Arbeitnehmer zu sehr und ist nach der

Überstunden/ Bild: Unsplash.com

Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts unwirksam. Andererseits ist es schwierig, keinesfalls aber unmöglich, erbrachte Überstunden auch gegen den Willen des Arbeitgebers durchzusetzen.

Wie z.B. das Landesarbeitsgericht Koblenz jüngst entschieden hat, müssen Überstunden genau dokumentiert und nachgewiesen sein. Wie das LAG ausführt, müssen Arbeitnehmer, die behaupten hunderte Überstunden erbracht zu haben, diese geltend gemachten Überstunden minutengenau belegen können. Ansonsten kann der Arbeitgeber Freizeitausgleich oder Auszahlung der Überstunden verweigern. Weiterlesen


Profis im Arbeitsrecht: Rechtsbeistand bei Kündigung in UhlenhorstRechtsanwalt für Arbeitsrecht in AltonaKanzlei für Arbeitsrecht in Winterhude Rechtsanwalt für Arbeitsrecht in Dulsberg


Denken Sie daran!

Da Arbeitsrechtssachen schnell gelöst werden sollten, gibt es bei uns grundsätzlich umgehend einen ersten Beratungstermin. Wenn möglich noch am selben Tag, sonst tags darauf. Schreiben Sie uns eine Nachricht oder rufen Sie direkt an. Wir sind telefonisch von Mo-Fr in der Zeit von 08:00 – 18:00 Uhr erreichbar.