Benachteiligung bei der Bewerbung mit Kopftuch

Wer sich bewirbt, muss in der Regel in seinem Lebenslauf auch ein Foto vorweisen.
Dass dies problematisch ist, zeigt jetzt eine Studie des Bonner Instituts zur Zukunft der Arbeit (kurz IZA).
Das Institut ermittelte im Rahmen einer Studie, dass Bewerberinnen, die auf ihrem Foto im Lebenslauf ein Kopftuch tragen und einen ausländisch klingenden Namen tragen, etwa vier Mal so viele Bewerbungen verschicken müssen, wie Bewerberinnen ohne Kopftuch und deutschem Namen.
Dabei ist die Diskriminierung auf Grund der Rasse oder der Religion verboten.

Kopftuchverbot kann rechtmäßig sein

Grundsätzlich kann das Tragen des Kopftuchs während der Arbeitszeit unter Umständen verboten sein, allerdings nur dann, wenn sachliche Gründe dies rechtfertigen.
Ein solcher sachlicher Grund liegt beispielsweise vor, wenn Sicherheitsbestimmungen das Tragen des Kopftuchs verbieten. Aber auch wenn der Betriebsfrieden in Gefahr ist, kann der Arbeitgeber den Mitarbeiterinnen das Tragen eines Kopftuches verbieten. Die Auslegung ist dabei vielfältig, in der Regel bekommt der Arbeitgeber im Streitfall Recht.
Grundsätzlich soll eine derartige Diskriminierung bereits über das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz verhindert werden. Kommt es zu einer Diskriminierung auf Grund der Religion, so kann Schadensersatz gefordert werden.
Problematisch ist beim Bewerbungsverfahren jedoch, dass die Bewerberinnen nachweisen müssen, dass der Arbeitgeber sie auf Grund des Kopftuches nicht eingestellt hat.
Das erweist sich in der Praxis regelmäßig als nahezu unmöglich, da sich die Arbeitgeber meist rausreden können.

anonymisierte Bewerbungsverfahren

Um einer solchen Diskriminierung entgegenzuwirken, verwenden einige Arbeitgeber seit einigen Jahren anonymisierte Bewerbungsverfahren.
Dabei müssen Bewerber weder den Namen, die Anschrift, die eigene Nationalität, das Alter oder die Religionszugehörigkeit angeben. In der Regel erfolgt eine Bewerbung online über das Internet. Für den Arbeitgeber erscheint die Bewerbung dann nur unter einer Nummer, da die persönlichen Merkmale fehlen.
Der Vorteil: der Arbeitgeber kommt gar nicht erst in Versuchung von Vorurteilen und wählt die Kandidaten nur anhand ihrer fachlichen Qualifikationen aus. Ein solches Verfahren ist besonders effizient, aber auch fairer im Vergleich zum herkömmlichen Bewerbungsverfahren.

Studien bestärken anonymisiertes Verfahren

Studien belegen dabei, dass Bewerber mit Migrationshintergrund so öfter zum Vorstellungsgespräch eingeladen wurden, als bei einem herkömmlichen Bewerbungsprozess.
In den vergangenen Jahren hatten viele große Unternehmen im Rahmen von Pilotprojekten anonymisierten Bewerbungsverfahren durchgeführt. Doch häufig wurde diese wieder durch das herkömmliche Bewerbungsverfahren ersetzt. So gab beispielsweise die Deutsche Post an, dass das anonymisierte Verfahren zu keinen anderen Ergebnissen geführt hätte.
Vorreiter in Sachen anonymisierter Bewerbungen ist Frankreich. Dort müssen Unternehmen, die mehr als 50 Mitarbeiter beschäftigen per Gesetz anonymisierte Bewerbungen durchführen.
Ob ein solches Gesetz sich auch in Deutschland durchsetzen wird, bleibt allerdings fraglich. Bisher ist den Unternehmen freigestellt, auf welche Weise sie ihre Mitarbeiter einstellen möchten. Um der Diskriminierung entgegen zu wirken, appellieren Personaler deshalb an die Vielfalt im Unternehmen. Das dies den Arbeitgeber nicht wirklich überzeugt, zeigt die oben genannte Studie wohl mehr als deutlich.