Diebstahl im Büro: Haftet der Chef?

Das Smartphone vom Schreibtisch verschwunden, das Portemonnaie plötzlich nicht mehr in der Handtasche – Diebstahl am Arbeitsplatz kommt häufiger vor als manch einer vermutet. Doch nur weil die eigenen Wertsachen im Büro verschwunden sind, haftet der Chef noch lange nicht.

Den Arbeitgeber trifft die sogenannte Fürsorgepflicht auch dahingehend, dass er dafür sorgen muss, dass das mitgebrachte Eigentum sicher verwahrt werden kann. Dafür sollten zum Beispiel abschließbare Spinde oder Rollcontainer zur Verfügung gestellt werden. Haben die Mitarbeiter aber keine Möglichkeit, ihre Habseligkeiten sicher zu verschließen, haftet der Arbeitgeber unter Umständen voll. Schließlich kann er in solchen Fällen für den Diebstahl mitverantwortlich gemacht werden.

Fürsorge- und Verwahrpflicht des Arbeitgebers

Diese Fürsorgepflicht bezieht sich allerdings nicht auf sämtliche Gegenstände, die der Arbeitnehmer mit ins Büro bringt. Erfasst werden hauptsächlich Gegenstände, die der Arbeitnehmer dabei hat, weil er sie für seine Arbeit benötigt. So zum Beispiel das dienstlich genutzte Smartphone, eigene Werkzeuge oder die Brille für die Bildschirmarbeit. Der Schutz kann sich auch auf Gegenstände richten, die man zwingend oder regelmäßig mit sich führt, etwa weil sie für den Arbeitsweg erforderlich sind. Hierunter fallen beispielsweise Kleidung, Geld, Fahrkarte oder Ausweise. Dinge, die ein Arbeitnehmer mit zur Arbeit bringt, obwohl er sie dafür nicht benötigt, oder die der Chef weder genehmigt oder zur Kenntnis genommen hat, sind hingegen nicht von der Fürsorgepflicht umfasst.

Das Landesarbeitsgericht Hamm entschied zu diesem Thema im Jahr 2016 einen bemerkenswerten Fall, bei dem es nicht um etwas Bargeld oder das Handy ging – sondern um Schmuck im Gesamtwert von 20.000 €. Ein Mitarbeiter eines Krankenhauses hatte die Wertsachen in seinen Rollcontainer verstaut, um sie später in sein Bankschließfach zu bringen. Da sowohl die Schublade als auch das Büro verschlossen waren, dachte der Mitarbeiter an nichts Böses. Der Rollcontainer wurde jedoch aufgebrochen und der Schmuck gestohlen. Der Dieb hatte offenbar zuvor einen Generalschlüssel aus dem Spind eines Kollegen gestohlen und sich damit Zutritt zum Büro verschafft.

Der bestohlene Mitarbeiter klagte gegen seinen Arbeitgeber und warf diesem vor, nicht dafür gesorgt zu haben, dass der Generalschlüssel sicher aufbewahrt werde. Er verlangte daher Schadensersatz. Hiermit hatte er jedoch keinen Erfolg. Das Landesarbeitsgericht stellte in seinem Urteil klar, dass Arbeitgeber in solchen Diebstahlfällen nicht haften muss. Bei dem Schmuck handelte es sich weder um Gegenstände, die für die Verrichtung der Arbeitsleistung benötigt werden noch um solche, die ein Arbeitnehmer regelmäßig bei sich führt. Außerdem hatte der Arbeitgeber überhaupt keinen Überblick darüber, welche wertvollen Gegenstände der Arbeitnehmer mit zur Arbeit bringe. Eine Haftung bestehe daher nicht (LAG Hamm, Kostenbeschluss vom 21.01.2016, Az.:18 Sa 1409/15).

Alternativer Tipp: die Hausratversicherung

Im Rahmen der Hausratversicherung besteht aber die Möglichkeit, wertvolle Gegenstände im Rahmen der sogenannten Außenversicherung gegen Diebstahl am Arbeitsplatz zu versichern. Manche Versicherungen machen es sich aber denkbar einfach und erstatten nur in engen Grenzen. Nicht selten werden daher nur etwa 10% der Versicherungssumme übernommen. Außerdem kommt die

Hausratversicherung nur dann für Diebstähle auf, für die der Dieb Hindernisse überwinden musste. Wird das offen liegende Smartphone einfach vom Schreibtisch oder das Portemonnaie aus der Jackentasche genommen, die im Gemeinschaftsraum hängt, hilft auch die beste Versicheruung nichts.


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Tattoo am Arbeitsplatz – Was ist erlaubt und was darf der Chef verbieten?

Immer mehr Menschen in Deutschland sind heute tätowiert. Umfragen zufolge ist jeder Fünfte tätowiert. Tendenz steigend. Längst tragen nicht mehr nur Strafgefangene und Seemänner Tattoos, vielmehr sind Tattoos in den letzten Jahren immer mehr zur Mode geworden.

Damit wurde auch eine Tattoo-Debatte rund um den Arbeitsplatz ausgelöst.
Darf beispielsweise ein Mitarbeiter, der in engem Kundenkontakt steht, eingestellt werden, obwohl er ein großes, deutlich sichtbares Tattoo trägt? Wie sieht es aus, wenn man das Tattoo verdecken kann? Muss der Arbeitgeber das Tattoo dulden? Kann er fordern, dass der Mitarbeiter das Tattoo mit Kleidung überdeckt, auch im Sommer?

Tattoos bei der Polizei und im öffentlichen Dienst unerwünscht

Gerade im öffentlichen Dienst und vor allem bei der Polizei steht die Frage nach Tattoos beim Einstellungstest ganz oben.

Angestoßen wurde die Debatte vor allem durch eine Bewerberin bei der Bundespolizei, die ein großflächiges Tattoo (ein Schriftzug) am rechten Unterarm trug. Dieses war gut sichtbar und aus Sicht der Bundespolizei ein Einstellungshindernis. Die Bewerberin klagte dagegen und verlor schließlich. Auch nach Ansicht der Rechtsprechung sei das entsprechend große Tattoo ein Einstellungshindernis.

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