Tinnitus durch Kindergeschrei gilt nicht als Arbeitsunfall

Immer wieder müssen sich deutsche Sozialgerichte mit teils kuriosen Arbeitsunfällen beschäftigen.
So auch das Sozialgericht in Dortmund.

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Im konkreten Fall wollte eine Erzieherin, die in einem heilpädagogischen Heim arbeitet, einen Schrei als Arbeitsunfall anerkennen lassen und die Kosten der Heilbehandlung von der gesetzlichen Unfallversicherung erstattet bekommen.
Denn genau dieser eine Schrei habe nach ihrer Ansicht zu einem Tinnitus geführt.

Menschlicher Schrei als Arbeitsunfall

Zur Behandlung des Ohrgeräusches musste die Erzieherin einen Tinnitusmasker tragen, der das Rauschgeräusch überdecken soll.
Insgesamt wollte sich die Erzieherin die Behandlungskosten von der gesetzlichen Unfallversicherung erstatten lassen, schließlich sei der Schrei ein Arbeitsunfall gewesen.
Doch die Unfallkasse Nordrhein-Westfalen verweigerte die Zahlung der Behandlungskosten.
Dagegen wehrte sich die Erzieherin jedoch und klagte.

einzelner Schrei nicht für Tinnitus verantwortlich

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Doch auch die Richter am Sozialgericht sahen den Schrei nicht als Arbeitsunfall an. Vielmehr begründeten sie ihre Entscheidung damit, dass ein einzelner menschlicher Schrei keinen Tinnitus auslösen kann.
Der Tinnitus kann somit nach Ansicht der Richter nicht als Arbeitsunfall gelten.
Die Richter führten zudem an, dass wissenschaftlich anerkannt sei, dass Schreie bis zu 130 Dezibel ein Mini-Lärmtrauma hervorrufen können, bei dem es jedoch nur zu vorübergehenden Hörminderungen kommt.
Aus wissenschaftlicher Sicht könne so allerdings kein Tinnitus hervorgerufen werden.

Kostenübernahme bei Arbeitsunfällen

Immer wieder wollen Arbeitnehmer die unterschiedlichsten Konstellationen als Arbeitsunfall anerkennen lassen.
Liegt tatsächlich ein Arbeitsunfall vor, so zahlt die gesetzliche Unfallversicherung nicht nur die Behandlungskosten, sondern unter Umständen auch mögliche Rehabilitationsmaßnahmen. Dazu können beispielsweise auch die Umrüstung des eigenen Autos oder der eigenen Wohnung zählen.
Zudem unterstützen die Berufsgenossenschaften Arbeitnehmer häufig auf dem Weg zurück ins Berufsleben.
Eine Anerkennung als Arbeitsunfall hat für Arbeitnehmer also durchaus Reize.

Urteil des Sozialgerichts Dortmund vom 19. Februar 2018 – Az.: S 17 U 1041/16.


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