Die Arbeit aus religiösen Gründen verweigern

Arbeitnehmer sind grundsätzlich verpflichtet die vorgegebenen Tätigkeiten aus dem Arbeitsvertrag zu erledigen.
Doch kann die Arbeit aus religiösen Gründen verweigert werden?
Mit dieser Frage musste sich das Arbeitsgericht Mannheim befassen.
Im konkreten Fall hatte ein Pflegedienst eine Pflegekraft gesucht. In der Stellenbeschreibung war die Pflege und Versorgung von Pflegebedürftigen vorgesehen.
Daraufhin bewarb sich eine Muslimin auf die Stelle und erhielt diese auch.

keine Pflegetätigkeiten gegenüber männlichen Patienten

Doch schon bald kam es zu Streitigkeiten zwischen dem Arbeitgeber und der Mitarbeiterin.
Denn die Muslimin verweigerte die Pflege von männlichen Patienten, sowie den Kauf von Alkohol und Tabak für die Patienten.
Daraufhin erhielt die Mitarbeiterin noch innerhalb der Probezeit eine Kündigung.
Doch dagegen wehrte sich die Mitarbeiterin mit einer Kündigungsschutzklage.
Das Arbeitsgericht entschied jedoch zu Gunsten des Arbeitgebers und sah die Kündigung als wirksam an.
Denn nach Ansicht der Richter muss der Arbeitgeber keine speziell auf die Religion zugeschnittenen Aufgaben verteilen. Vielmehr müssen Mitarbeiter die im Arbeitsvertrag vereinbarten Tätigkeiten erfüllen.
Wer sich weigert, verstößt somit gegen seine arbeitsvertraglichen Pflichten und muss deshalb unter Umständen mit einer Kündigung rechnen.

Zuweisung anderer Tätigkeiten

Eine Ausnahme besteht jedoch dann, wenn der Arbeitgeber dem Mitarbeiter andere Aufgaben im Unternehmen zuweisen kann. Eine Kündigung ist dann nicht so einfach möglich.
Generell sollten Arbeitnehmer deshalb auf die genaue Tätigkeitsbeschreibung im Arbeitsvertrag achten. Bei Unklarheiten sollte man zudem nicht zögern und das Gespräch mit dem Arbeitgeber suchen.
Denn ist die Tätigkeit erst einmal im Arbeitsvertrag enthalten und der Arbeitsvertrag unterschrieben, so gilt diese als vereinbart. Die Tätigkeiten dann noch zu ändern ist meist nur im Rahmen einer Änderungskündigung möglich.
Urteil des Arbeitsgerichts Mannheim vom 23. März 2017 – Az.: 3 Ca 282/16.