Die Versetzungsfalle: Wenn Transparenz auf flache Hierarchien prallt

Das Urteil des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen vom 12. Januar 2026 (Az. 4 SLa 454/25) hat einen wunden Punkt deutscher HR-Praxis freigelegt: Eine Abteilungsleiterposition, die im Zuge einer Umstrukturierung von vier auf zwei Teams und auf rund 18 Mitarbeitende verkleinert wurde, ist keine „gleichwertige“ Tätigkeit im Sinne des § 106 GewO – auch dann nicht, wenn Titel und Vergütung formal unverändert bleiben. …

Wenn nicht die Krankheit die Kündigung kippt, sondern das BEM

Das BEM als Beweislastfalle: Warum krankheitsbedingte Kündigungen an der Form scheitern Verfahrensfehler nach § 167 Abs. 2 SGB IX – und wie beide Seiten sie erkennen Der wahre Streitgegenstand beim BEM Im Regelfall beginnt die Auseinandersetzung um eine krankheitsbedingte Kündigung nicht mit der Frage, ob der Beschäftigte krank war. Sie beginnt mit der Frage, was der Arbeitgeber vorher unternommen hat. …

Kündigung nach der Elternzeit: Warum der Betriebsrat über den Schutz junger Mütter entscheidet

Die Rückkehr aus der Elternzeit verläuft für viele Frauen anders als erwartet. Statt an den alten Arbeitsplatz zurückzukehren, erleben sie eine kühlere Atmosphäre, veränderte Zuständigkeiten oder das deutliche Signal, nicht mehr gebraucht zu werden. In manchen Fällen folgt die Kündigung. Die Zahlen dazu sind eindeutig: Eine im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes erstellte Studie (Prognos AG, 2022) zeigt, dass 15 …

Volkswagen: Bis zu 100.000 Stellen vor dem Aus – warum jetzt jede Ebene betroffen ist

Es ist eine Zahl, die nachhallt. Wie der SPIEGEL am 26. Juni 2026 unter Berufung auf das manager magazin berichtet, plant VW-Konzernchef Oliver Blume offenbar den radikalsten Umbau der Konzerngeschichte: In einem internen Papier mit dem Titel „Group Target Picture 2030“ sollen weltweit bis zu 100.000 der rund 657.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Das wäre eine Verdopplung des bisherigen Ziels von …

Dummer Kanake – Wenn der Sonderkündigungsschutz auch dem Betriebsrat nicht mehr hilft – und der Arbeitgeber trotzdem zahlt

Was Personalleitungen aus dem Outokumpu-Fall (ArbG Krefeld 4 Ca 491/25 / LAG Düsseldorf 11 SLa 502/25) lernen müssen Der Sachverhalt war so eindeutig, wie er selten ist. Ein langjährig beschäftigtes Betriebsratsmitglied beschimpft einen Kollegen im gemeinsam genutzten Betriebsratsbüro als „dummer Kanake“ und droht ihm, ihn „in Y aufzulauern und zu erschießen“. Andere Beschäftigte müssen eingreifen. Die Arbeitgeberin – eine Tochter …

Warum krallen sich Menschen an ihren Job – und wann ist die schnelle Abfindung der bessere Weg?

Ein Münchner Unternehmensberater, 38 Jahre, promoviert, gut vernetzt, schildert in einem Erfahrungsbericht des SPIEGEL seine Lage: Seit Mitte 2024 schreibt er Hunderte Bewerbungen, führt drei Vorstellungsgespräche, verbringt zwei Wochen in der Psychiatrie und erhält die Diagnose tiefe Depression. Sein Rat an alle Beschäftigten lautet: den eigenen Job behalten, gleich welcher Art. Der Satz ist drastisch. Er beschreibt jedoch präzise, was …

Wann darf ich wegen eines Social-Media-Posts kündigen?

Die Meinungsfreiheit hat Grenzen – aber nur an wenigen, klar definierten Stellen tragen sie eine Kündigung. Die Regel lautet: Eine außerordentliche oder ordentliche Kündigung wegen einer Äußerung in sozialen Medien hält der arbeitsgerichtlichen Überprüfung nur dann stand, wenn die Grenze zwischen geschützter Meinungsäußerung und tatbestandlicher Pflichtverletzung eindeutig überschritten ist. Politische Stellungnahmen, gesellschaftliche Kommentare oder pointierte Kritik allein tragen eine Beendigung …

Aufenthaltstitel im Arbeitsverhältnis: Wenn der Verlängerungsantrag zu spät kommt

Fiktionswirkung, Beschäftigungsverbot und personenbedingte Kündigung – ein Überblick Ein verspätet gestellter Verlängerungsantrag wirkt zunächst harmlos. Im Regelfall führt er gleichwohl zum sofortigen Beschäftigungsverbot, in der Konsequenz zur Freistellung ohne Vergütung und – wenn keine Aussicht auf Erteilung besteht – zur personenbedingten Kündigung. Die Pflichten des Arbeitgebers und die Risiken für die persönlich haftenden Geschäftsführer wurden zum 1. Januar 2026 um …

Wenn die Forensiker kommen – Compliance-Untersuchungen gegen den abberufenen Geschäftsführer

Die Compliance-Untersuchung hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der wirksamsten Trennungsinstrumente entwickelt, die der Gesellschaftsseite zur Verfügung stehen. Sie wird selten als das benannt, was sie ist – ein gezielt eingesetztes Verfahren zur Vorbereitung einer Kündigung – und gewinnt gerade aus dieser scheinbar neutralen Verpackung ihre besondere Wirkung. Externe Kanzleien oder Wirtschaftsprüfer übernehmen die Untersuchung, der Untersuchungsauftrag ist …

Unwirksame Kündigung – aber kaum Geld: Die neue Rechtsprechung zum Annahmeverzugslohn und was das für Führungskräfte bedeutet

Eine Kündigung ist unwirksam – und trotzdem bekommt der Arbeitnehmer kaum Geld. Was nach einem Widerspruch in sich klingt, ist nach einer aktuellen Entscheidung des Landesarbeitsgerichts Niedersachsen (LAG Niedersachsen, Urt. v. 11.12.2024, 5 SLa 465/25) traurige Wirklichkeit. Das Gericht kappte den Annahmeverzugslohn eines unwirksam gekündigten Produktionshelfers auf gut dreißig Tage – weil er nach Auffassung des Gerichts mit seiner Qualifikation …