Risiko Billig-Airlines? Billig auf Kosten der Sicherheit und der Arbeitsbedingungen

Von Hamburg nach Göteborg für 10 Euro? Von Berlin nach Madrid für 15 Euro? Auf Grund der Vielzahl von Billig-Airlines ist dies heutzutage auch in Deutschland keine Seltenheit mehr. Der Preiskampf in der Luftfahrbranche wird immer aggressiver. Wo Lufthansa mit Flugpreisen von 100 Euro aufwartet, kontern die Billig-Airlines auf ausgewählten Strecken mit fast unmenschlichen Preisen.

Doch wie können Ryanair, Easyjet und Co trotz dieser Niedrigpreise überleben?

Zu Beginn wurde beispielsweise Ryanair noch belächelt. Ryanair haftete das Image der Billig-Airline an, die nur kleine Flughäfen auf dem Land anfliege und für jegliche Service-Handlungen ein Entgelt verlangte. Dass man beispielsweise für Getränke an Bord bezahlen muss oder sein Gepäck kostenpflichtig hinzubuchen muss, ist heute auch bei großen Airlines keine Seltenheit mehr. Selbst Lufthansa bietet jetzt einen günstigen Tarif an, bei dem nur das Handgepäck im Preis inbegriffen ist.

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In anderen Ländern, beispielsweise der USA, ist es auch bei den großen Airlines schon lange üblich, das Gebühren für das aufgegebene Gepäck berechnet werden. Geschenkt wird einem beim Fliegen heute nur noch wenig. Doch immer mehr Menschen nutzen die Billig-Flieger. Bei Flugpreisen von teilweise fünf Euro stellt sich allerdings die Frage, wie die Airlines überleben können.

Lange wurden von den Billig-Airlines weit abgelegene Flughäfen angeflogen, so beispielsweise Frankfurt-Hahn (100km entfernt von Frankfurt) und Hamburg-Lübeck (70km von Hamburg entfernt). Will eine Airline einen Flughafen anfliegen, so muss sie dafür Gebühren zahlen. Diese sind bei kleineren, abgelegenen Flughäfen deutlich günstiger, als bei großen Flughäfen. Doch auch diese greifen die Billig-Flieger jetzt an. So wird Ryanair zukünftig auch ab Frankfurt Main fliegen.

unsplash.com/ Markus Spiske

Viele Luftfahrtexperten warnen, dass die extrem günstigen Preise nur auf Kosten der Mitarbeiter und vor allem der Passagiere gemacht werden können.

Ryanair als öffentliches Negativbeispiel bei den Arbeitsbedingungen

Bei Ryanair ist beispielsweise längst bekannt, dass das Personal, vor allem die Piloten, nicht fest angestellt sind, sondern selbstständig sind. Piloten bei Ryanair sind meist scheinselbstständig mit einer 1-Mann-Firma in Irland, wo Ryanair seinen Hauptsitz hat. Die Piloten bieten Ryanair dann als Selbstständige ihre Leistungen an, auf die Ryanair dann zurückgreift.

Letztlich fällt der Kostendruck jedoch auch auf die Passagiere zurück. Ein Flug, der unter 100 Euro kostet, deckt in der Regel nicht einmal die Kerosinkosten. So wird stets die kostengünstigste und kürzeste Strecke gewählt. Dabei werden beispielsweise auch Krisengebiete überflogen. Früher wurden solche Gebiete großflächig umflogen, doch dazu war mehr Sprit nötig. Gerade an diesem wird heute gespart.

Piloten tragen die Verantwortung über die Route grundsätzlich selbst. Grundsätzlich werden dem Piloten durch die Airline verschiedene Routen vorgegeben, welche er wählt, bleibt letztlich jedoch ihm überlassen.

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Dabei sind die Piloten jedoch auch bei großen Airlines einem subtilen Druck durch den Arbeitgeber ausgesetzt, denn die Airlines wollen grundsätzlich Benzin sparen. Dass möglichst wenig getankt werden soll, um Kosten zu sparen und so meist nur die gesetzlich vorgeschriebenen Reserven getankt werden, ist eine ungeschriebene Forderung der Airlines.

Doch gerade Billig-Airlines, wie Ryanair, gehen jetzt noch einen Schritt weiter. So wurde jetzt öffentlich, dass die Airline ihre Piloten besonders darauf hinweist, möglichst wenig Kerosin zu tanken. Wird zu viel getankt, muss der Pilot möglicherweise mit Konsequenzen rechnen. In Pressemitteilungen gab Ryanair zu, dass die Maschinen „in der Nähe“ der rechtlich vorgeschriebenen Mindestmenge geflogen werden. In den letzten Jahren hat die Zahl der durch zu wenig Kerosin verursachten „Notlandungen“ insbesondere bei Ryanair massiv zugenommen.

Nicht zuletzt machten immer wieder Billig-Flieger Schlagzeilen, da diese beispielsweise bei Flugumleitungen nicht länger in der Luft bleiben konnte, da der Sprit knapp wurde. Wer zu wenig Kerosin tankt, kann unvorhergesehen Ereignis nicht Herr werden und riskiert damit die Sicherheit der eigenen Angestellten und der Passagiere. Bislang verliefen die vermeintlichen „Notlandungen“ der wenig betankten Maschinen immer glimpflich. Bleibt für die Passagiere nur zu hoffen, dass die Piloten stets die Sicherheit der Passagiere vor ihre beruflichen Konsequenzen stellen.

Der Preisdruck hin zu Dumpingpreisen wird hingegen immer weiter steigen.

Praxishinweis:

Aus verschiedensten Fällen der letzten Jahre wissen wir, dass inzwischen sogar bei der Lufthansa und bei Germanwings und Eurowings dezent darauf hingewiesen wird, dass zuviel Kerosin an Bord zu erheblichen Mehrkosten führt und mit Augenmaß die Betankung vorgenommen werden sollte. Dort hört man allerdings aus Pilotenkreisen immer, dass man sich solche Hinweise verbittet. Und die meisten Piloten im Lufthansakonzern dürften ausreichend organisiert und selbstbewusst sein, sich dem erfolgreich zu widersetzen.

Private Anmerkung von Rechtsanwalt Axel Pöppel:

Jeder muss für sich selber wissen, welcher Airline er sein Leben in der Luft anvertraut.

RA Axel Pöppel

Jeder muss für sich selber wissen, welche Arbeitsbedingungen er sich bei der Airline wünscht, die ihn fliegt.

Mir sind aus zahlreichen Fällen im Bereich Airline zahlreiche Dinge bekannt, die es mir geradezu verbieten, mit bestimmten Airlines zu fliegen. Dabei ist Ryanair weit jenseits dessen, was ich für vertretbar halte. Aber es gibt auch Deutsche Airlines, die z.B. das Cockpit teilweise mit Piloten besetzen, die nicht für ihre Arbeit bezahlt werden, sondern zum Erhalt ihrer Zulassung Flugstunden benötigen. Ich habe nichts gegen diese Piloten. Ganz im Gegenteil! Jedem wünsche ich, dass es irgendwann einen festen Job bei großen Airline gibt.

Meine Familie und ich fliegen praktisch nur im Lufthansakonzern und der Star-Alliance. Aber auch dort weiß ich eben aus meinem Job, dass nicht mehr alles very fine ist.


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