Mündlicher Arbeitsvertrag

Mein Chef gibt mir keinen schriftlichen Arbeitsvertrag. Was sind meine Nachteile?

 „ Wer einen Job hat, hat auch einen schriftlichen Arbeitsvertrag“: Davon gehen viele Arbeitnehmer aus, dies stimmt jedoch nicht immer: Oft wird ein schriftlicher Arbeitsvertrag zuerst vom Arbeitnehmer unterschrieben, dann tritt dieser die Stelle an und wartet – entweder längere Zeit oder sogar vergeblich – darauf, dass auch der Arbeitgeber den Vertrag unterzeichnet. Der – aus was für Gründen auch immer – vom Arbeitgeber nicht unterzeichnete Arbeitsvertrag irritiert und verunsichert verständlicherweise die meisten Arbeitnehmer, die sich in dem Fall fragen, ob ihr Arbeitsvertrag überhaupt gültig ist und ob sie das Arbeitsverhältnis auflösen – bzw. kündigen können.

Form des Arbeitsvertrages

Form des Arbeitsvertrages/ Bild; Unsplash.com/ Mohammad Metri

Für die Wirksamkeit eines Arbeitsvertrages ist es nicht erforderlich, dass dieser schriftlich geschlossen -, d.h. von Arbeitgeber und Arbeitnehmer unterschrieben wird. Vielmehr kann ein Arbeitsvertrag auch mündlich geschlossen werden. Entscheidend für die Wirksamkeit eines mündlichen Arbeitsvertrages ist, dass sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer zum einen darüber einig sind, dass ein derartiger Vertrag geschlossen werden soll, und zudem Einigkeit über die wesentlichen Punkte des Arbeitsvertrages besteht. Beide Seiten müssen sich demnach einig sein über die Art der Arbeit, die Höhe der Vergütung und den Beginn des Arbeitsverhältnisses.

Mündlicher Arbeitsvertrag ist wirksam

Ein mündlich geschlossener Arbeitsvertrag ist vollumfänglich wirksam. Ein fehlender Firmenstempel auf dem Vertrag ist dabei unerheblich. Ebenso möglich und auch wirksam ist ein Arbeitsvertrag, der allein durch schlüssiges Verhalten geschlossen wird. Dies ist z.B. der Fall, wenn ein Arbeitgeber einen potentiellen Interessenten fragt, ob dieser ab nächsten Montag bei ihm im Gastronomiebereich tätig werden möchte. Erscheint der Angerufene am besagten Tag bei der Arbeitsstelle und nimmt seine Beschäftigung auf, liegt ein Vertragsschluss durch schlüssiges Verhalten vor. Die Aufnahme der Arbeit stellt dabei die Annahme des Arbeitsvertragsangebots durch schlüssiges Verhalten des Arbeitnehmers dar.

Ausnahme: Schriftform bei Befristung

Das Teilzeit- und Befristungsgesetz legt fest, dass eine Befristung eines Arbeitsvertrages nur wirksam ist, wenn die Schriftform eingehalten wurde. Mündlich vereinbarte Befristungen sind also unwirksam. Der Arbeitsvertrag insgesamt besteht aber dennoch – als unbefristeter Vertrag, was für den Arbeitnehmer vorteilhaft ist, so dass es in diesem Fall in der Regel klug ist, die fehlende Schriftlichkeit der Befristung nicht zu monieren.

Rechte des Arbeitnehmers bei mündlichem Arbeitsvertrag

Der Arbeitnehmer kann vom Arbeitgeber einen schriftlichen Nachweis über die wesentlichen Vertragsbedingungen verlangen. Innerhalb eines Monats nach dem vereinbarten Beginn des Arbeitsverhältnisses muss der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer diesen schriftlichen Nachweis aushändigen. Kommt der Arbeitgeber dieser gesetzlichen Verpflichtung nicht nach, kann der Arbeitnehmer vor dem Arbeitsgericht auf Erstellung und Aushändigung der Niederschrift über den mündlichen Arbeitsvertrag klagen.

Rechte des Arbeitnehmers bei mündlichem Arbeitsvertrag/ Bild: Unsplash.com/Hannah Wei

Von Ausnahmefällen abgesehen ist es für den Arbeitnehmer fast immer sinnvoll, auf einem schriftlichen Arbeitsvertrag zu bestehen. Denn für den Fall, dass Arbeitgeber und Arbeitnehmer für diesen günstigere Vereinbarungen als die gesetzlichen Regelungen vereinbart haben (z.B. mehr Urlaubstage als der gesetzliche Urlaubsanspruch von 24 Tagen, Provisionsregelung), diese jedoch später streitig sind, entstehen für den Arbeitnehmer im Falle eines Gerichtsverfahrens oft erhebliche Beweisschwierigkeiten, da die Vereinbarungen eben nur mündlich und meist ohne Zeugen vereinbart wurden.

Möchte der Arbeitnehmer das Arbeitverhältnis beenden, kann (und muss) er ordentlich kündigen. Die fehlende Schriftlichkeit des Arbeitsvertrages berechtigt ihn nicht zur fristlosen Kündigung, da sie keinen wichtigen Grund darstellt.  Dringend abzuraten ist, einfach nicht mehr zur Arbeit zu erscheinen, weil dem Arbeitnehmer dann die fristlose Kündigung seines Arbeitgebers – und eine nachfolgende Sperre des Arbeitslosengeldes droht. Wurde – wie in der Praxis häufig – die Kündigungsfrist des Arbeitnehmers nicht mündlich vereinbart und existiert auch kein Tarifvertrag mit abweichenden Kündigungsfristen, gilt die gesetzliche Kündigungsfrist. Diese beträgt für den Arbeitnehmer vier Wochen zum Fünfzehnten oder zum Ende eines Kalendermonats. Möchte der Arbeitnehmer z.B. zum Ende des Kalendermonats ausscheiden, muss er in der Regel spätestens am 2. eines 30- Tage –Monats oder 3. eines 31-Tage-Monats kündigen. Befindet sich der Arbeitnehmer noch in der Probezeit, kann er mit einer zweiwöchigen Frist zu jedem beliebigen Tag kündigen.

Rechte des Arbeitnehmers bei mündlichem Arbeitsvertrag/ Bild: Unsplah.com/ Johannes W.

Die Kündigung muss stets schriftlich durch ein vom Arbeitnehmer handschriftlich unterzeichnetes Kündigungsschreiben erfolgen. Mündliche Kündigungen sind – im Gegensatz zum mündlichen Arbeitsvertrag – unwirksam! Ebenso unwirksam sind Kündigungen per Mail, SMS, Whats App oder Fax. Die Kündigung muss dem Arbeitgeber zugehen. Dies geschieht meist durch persönliche Übergabe des Kündigungsschreibens an den Arbeitgeber ( entweder an das Personalbüro oder in sehr kleinen Betrieben an den Inhaber persönlich) gegen Empfangsquittung oder durch Einwurf in den Briefkasten des Unternehmens, wobei der Arbeitnehmer im Zweifel für den Zugang beweispflichtig ist. So empfiehlt sich zumindest als Indizwirkung den Einwurf in den Kasten vor Zeugen oder die Versendung als Einwurf-Einschreiben oder als Einschreiben mit Rückschein, wobei der Empfänger jedoch nicht zur Abholung bei der Post verpflichtet ist, so dass bei Nichtabholung in der Regel ein Zugang der Kündigung scheitert. Zur Angabe einer Begründung der Kündigung ist der Arbeitnehmer nicht verpflichtet.


Mehr zum Thema Arbeitsrecht: Arbeitsrecht bei der BahnArbeitsrecht bei VersicherungenArbeitsrecht bei BankangestelltenArbeitsrecht im EinzelhandelArbeitsrecht in der Altenpflege


Denken Sie daran!

Da Arbeitsrechtssachen schnell gelöst werden sollten, gibt es bei uns grundsätzlich umgehend einen ersten Beratungstermin. Wenn möglich noch am selben Tag, sonst tags darauf. Schreiben Sie uns eine Nachricht oder rufen Sie direkt an. Wir sind telefonisch von Mo-Fr in der Zeit von 08:00 – 18:00 Uhr erreichbar.


Auch interessant:

Kündigungsschutzgesetz

Kündigungsschutzgesetz/ Bild: Unsplash.com/ Ryoji Iwata

Arbeitnehmer sind wirtschaftlich und damit häufig auch persönlich von ihrem Arbeitgeber abhängig. Das deutsche Arbeitsrecht gewährt ihnen aus diesem Grund einen besonderen Schutz – den Kündigungsschutz.

Insbesondere das Kündigungsschutzgesetz dient dem Schutz des Arbeitnehmers. Es beschränkt im Großen und Ganzen die Freiheit des Arbeitgebers, seine Arbeitnehmer nur in sozial gerechtfertigten Fällen kündigen zu können.

Wann findet das Kündigungsschutzgesetz Anwendung?

WEITERLESEN


Profis im Kündigungsschutz: Anwalt für Arbeitsrecht in EilbekAnwalt für Arbeitsrecht in WinterhudeAnwalt für Kündigungen in HusumAnwaltskanzlei für Arbeitsrecht in Dulsberg Anwaltskanzlei für Arbeitsrecht in Eppendorf


Denken Sie daran!

Da Arbeitsrechtssachen schnell gelöst werden sollten, gibt es bei uns grundsätzlich umgehend einen ersten Beratungstermin. Wenn möglich noch am selben Tag, sonst tags darauf. Schreiben Sie uns eine Nachricht oder rufen Sie direkt an. Wir sind telefonisch von Mo-Fr in der Zeit von 08:00 – 18:00 Uhr erreichbar.