Zwangsgeld bei Gericht und Corona

Impfpflicht, Testpflicht, 3G, 2G, 2Gplus, 2Gdoppelplus und wer weiß was noch. Wir bekommen viele Anfragen und beantworten diese

Die nachfolgende Anfrage fiel jedoch schon recht weit aus dem Rahmen, wirft aber eine interessante Frage auf, die genau so übrigens auch Arbeitnehmer betreffen kann:


Sehr geehrter Herr Rechtsanwalt,
ich bin am 28.2.2022 um 10 Uhr als Zeuge vor dem Landgericht in Berlin geladen. Da ich in Brandenburg in einem kleineren Ort lebe und kein Auto habe, muss ich mit dem 8 Uhr Zug nach Berlin zu fahren um rechtzeitig vor Gericht zu erscheinen.
Da seit einiger Zeit aber 3G im ÖPNV gilt und ich nicht geimpft bin (und das auch so bleiben soll) muss ich mich vor Benutzung des ÖPNV testen lassen. Allerdings macht das hiesige Testzentrum erst um 9 Uhr auf, weshalb ich den 8 Uhr Zug nicht erreichen und somit erst ca. 2 Stunden zu spät zum Gerichtstermin erscheinen kann.

Was kann ich tun um in diesem Fall einem Ordnungsgeld zu entgehen?

Kann ich Verschiebung des Termins beantragen?

Kann man mich zwingen mich impfen zu lassen um rechtzeitig erscheinen zu können?

Ich musste bereits einmal 100 € Strafe zahlen, weil ich nicht erschienen bin. Abgesehen davon liegt die Straftat, um die es geht, schon 4 Jahre zurück und ich bin bereits einmal als Zeuge vernommen worden. Ich habe kaum noch Erinnerung an die ganze Geschichte und wüsste auch nicht, was ich neuerlich beizutragen hätte. Ich würde mich auf mein Zeugnisverweigerungsrecht berufen und habe zudem den Eindruck man will mich schikanieren, wegen meiner Haltung bzgl. des Impfens.
Welche Möglichkeiten habe ich also?

Mit freundlichen Grüßen und Danke vorab


Hier unsere Antwort:

Sehr geehrter Herr …..,

keine einfache Situation, in der Sie sind. Zunächst einmal möchte ich Sie beruhigen. Die Tatsache, dass das Gericht Sie hören möchte bzw. muss, hat seine Gründe im Prozessrecht. Damit ein Urteil rechtssicher ist, sind in der Regel alle Zeugen zu hören, ggf. sogar mehrmals. Das nicht Anhören eines möglicherweise relevanten Zeugen kann zur Anfechtbarkeit eines Urteils führen. Sie werden also nicht umhin kommen, dort zu erscheinen.

Ihnen bleiben – so denke ich – zwei Möglichkeiten:
1. Test am Vortag – Der Test am Vortag ist 24 Stunden gültig.
2. Antrag auf Verlegung des Zeitpunkts Ihrer Vernehmung, z.B. auf 12 Uhr.

Übrigens: Niemand kann Sie zwingen, sich impfen zu lassen. Selbst wenn die derzeit diskutierte Impfpflicht kommen sollte, wird es nicht zu Zwangsimpfungen kommen. Da bin ich sicher.

Mit freundlichen Grüßen
Axel Pöppel
Rechtsanwalt

Zwangsgeld bei Gericht und Corona/Bild: Unsplash.com


Eine allgemeine Anmerkung zu diesem Thema möchten wir aber noch geben:

Das Thema 3G im öffentlichen Nahverkehr ist für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ohne Impfung und gleichzeitig ohne Auto oft ein Problem. Gerade auf dem Land gibt es oft erheblich weniger Testmöglichkeiten, als in der Großstadt. Hier wird es zwangsläufig zu Problemen am Arbeitsplatz kommen.


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Auch Interessant – Kurz und knapp:

Mehr Kündigungsrecht – Verdachtskündigung:

Unschuldig gekündigt und die Kündigung war als Verdachtskündigung wirksam?

Die Schmerzgrenze war mehr als nur erreicht! Immer wieder hatte ein Unbekannter auf dem Firmenparkplatz eines Unternehmens die Reifen eines bestimmten dort abgestellten Privatautos zerstochen. Die betroffene Mitarbeiterin erstattet Anzeige und die Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Zu diesem Zweck installierte die Polizei eine versteckte Videokamera. Und tatsächlich lieferte die Kamera Bilder von einer Person, die sich an einem der Fahrzeuge zu schaffen machte. Zwei Mitarbeiterinnen  waren sich sicher, dass es sich bei dem Täter auf dem Video um einen bestimmten Kollegen handelte. Mit diesem Kollegen gab es seit einiger Zeit Streit.

Der betroffene Arbeitnehmer verweigerte eine Stellungnahme und wurde daraufhin mit einer Verdachtskündigung entlassen. Er erhob Kündigungsschutzklage gegen die fristlose Kündigung. In einem parallel laufenden Strafverfahren wurde er wegen verbliebener Zweifel freigesprochen.

Die vom Arbeitgeber ausgesprochene Verdachtskündigung war nach Ansicht des Arbeitsgerichts wie auch des Landesarbeitsgerichts wirksam und die Kündigungsschutzklage wurde zurückgewiesen. Das Bundesarbeitsgericht entschied jetzt in letzter Instanz, dass die Kündigung rechtens war.

Unschuldig gekündigt und die Kündigung war als Verdachtskündigung wirksam?/ Bild: Unsplash.com


Schräg und Lustig: Darf mein Arbeitgeber mich zum Aufräumen zwingen?


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Corona-Test – Verpflichtung im Job!?

Kann mein Chef mich zum Corona-Test zwingen? Diese Frage steht in Zeiten von Corona und Pandemie immer wieder im Blickpunkt. Und die Rechtslage ändert sich ständig.

Nach bestem Wissen und Gewissen: Kein Arbeitgeber kann Sie zum Test zwingen. ABER: Wer umgeimpft und nicht genesen mit entsprechender Bescheinigung ist, den darf der Arbeitgeber nicht ohne tagesaktuellen Test an den Arbeitsplatz lassen.

Kein Test, keine Arbeitsmöglichkeit, kein Lohn … einziger Ausweg: Home-Office, wenn möglich und dem Chef zumutbar.

Eine Anmerkung: Selbst wir, als Rechtsanwälte, die sich täglich mit dem Thema Corona am Arbeitsplatz beschäftigen, können den ständigen Rechtsänderungen und Widersprüchen teils nicht mehr folgen. Das ist in höchstem Maße Problematisch. Die Politik muss hier künftig anders vorgehen. Denn wie soll Otto-Normalbürger/in verstehen, was geübte Anwälte kaum oder nicht verstehen?…WEITERLESEN


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Kündigung wegen Verstoß gegen Corona-Regeln am Arbeitsplatz

Die Corona-Pandemie schüttelt unsere gesamte Gesellschaft und unseren Alltag kräftig durch. Es gibt jede Menge neue Regeln, Gebote, Verbote und Strafen. Dinge, die wir vor einem Jahr nie im Leben für abwegig und irre abgestempelt hätten.

Und jetzt stellt sich ernsthaft die Frage, ob man gekündigt werden kann, weil man am Arbeitsplatz keine Maske trägt.

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Diskriminierung von nicht Geimpften durch Testpflicht?

Corona führt zu großen Verunsicherungen und vielen Fragen. Hier ein Beispiel, das uns heute erreicht hat mit unserer Antwort.


Die Frage eines Nutzers zum Thema Testpflicht:

Hallo Herr Pöppel

Ich möchte fragen, ob eine Diskriminierung am Arbeitsplatz zwischen geimpften und ungeimpften Personen in Bezug auf Antigentests erlaubt ist. Es ist allgemein bekannt, dass geimpfte Personen ungeimpfte Personen anstecken können, jedoch nicht getestet werden müssen. Ist das ein Fall von Diskriminierung? Steht dieser Fall im Widerspruch zu AGG?

Mit freundlichen Grüßen …


Unsere Antwort:WEITERLESEN


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