Verdachtskündigung

Das besondere und an sich unglaubliche an einer Verdachtskündigung ist, dass auch eine im Nachhinein erwiesene Unschuld unter Umständen nicht vor der Kündigung schützen kann. Darum muss man schon beim leisesten Schein, dass es sich in Richtung einer Verdachtskündigung bewegen könnte, einen Fachanwalt für Arbeitsrecht aufsuchen.

Verdachtskündigung/ Bild: Unsplash.com

Wenn ein Arbeitnehmer gegen seine vertraglichen Pflichten verstößt, kann der Arbeitgeber – je nach Intensität des Verstoßes – eine ordentliche oder auch eine außerordentliche fristlose Kündigung aussprechen. Voraussetzung ist aber in jedem Fall, dass dem Arbeitnehmer der Verstoß nachgewiesen werden kann. Schließlich soll hiermit eine Kündigung begründet werden. Oft ist es allerdings so, dass der Arbeitgeber keine wirklich aussagekräftigen Beweise hat und er die Kündigung nur auf mehr oder weniger aussagekräftige Verdachtsmomente stützen kann. Aber auch dann, wenn der Arbeitgeber „nur“ einen dringenden Verdacht eines Pflichtverstoßes hegt, ist eine Kündigung möglich – nämlich als sogenannte Verdachtskündigung.

Verdacht als Kündigung – Kein Tatnachweis

Für eine Verdachtskündigung als außerordentliche Kündigung reicht als Kündigungsgrund eine begründete Vermutung aus, dass ein Arbeitnehmer gegen arbeitsrechtliche Pflichten verstoßen hat. Meistens wird die Verdachtskündigung als fristlose außerordentliche Kündigung ausgesprochen, da es sich in der Regel um gravierende Pflichtverstöße handelt. Der Klassiker für eine Verdachtskündigung ist ein Diebstahl am Arbeitsplatz. Ist Geld oder sind bestimmte Gegenstände abhanden gekommen, die nur ein einziger Arbeitnehmer hätte an sich nehmen können, greifen viele Arbeitgeber direkt zur Kündigung. Da aber niemand den Diebstahl beobachtet oder die gestohlenen Sache bei dem verdächtigen Arbeitnehmer gefunden hat, ist kein absoluter Beweis des Pflichtverstoßes möglich. Bestreitet der Arbeitnehmer den Diebstahl, hat der Arbeitgeber keinen vor Gericht verwendbaren Beweis für den Diebstahl. Ist der Arbeitnehmer trotzdem aber dringend verdächtig, den Diebstahl begangen zu haben, bleibt dem Arbeitgeber die Möglichkeit, eine Verdachtskündigung auszusprechen.

Nach ständiger Rechtsprechung des Bundesarbeitsgerichts kann der begründete Verdacht einer Straftat am Arbeitsplatz oder einer ähnlich schweren Pflichtverletzung also eine Verdachtskündigung rechtfertigen. Dafür müssen jedoch die folgenden Voraussetzungen vorliegen:

Verdachtskündigung/ Bild: Unsplash.com/Unsplash.com/Saffu

  • objektive und nachweisbare Tatsachen begründen den starken Verdacht eines erheblichen Pflichtverstoßes
  • der Arbeitgeber hat versucht, den Sachverhalt weitestgehend aufzuklären und hat den betroffenen Arbeitnehmer angehört
  • der Verdacht ist dazu geeignet, das Vertrauen des Arbeitgebers in den Arbeitnehmer ernsthaft und nachhaltig zu erschüttern
  • eine Abwägung der betroffenen Interessen fällt zu Gunsten des Arbeitgebers aus

Mit Verdachtskündigungen sollte aber sensibel umgegangen werden, da sie auch Unschuldige treffen können. Wichtig ist, dass der Verdacht dringend und quasi erdrückend ist. Bloße Verdächtigungen und wage Vermutungen reichen in keinem Fall aus, um eine Verdachtskündigung wirksam auszusprechen. So dürfen Strafgerichte einen Angeklagten nicht wegen eines bloßen Verdachts verurteilen – ähnliche Grundsätze sollten auch für den Arbeitgeber gelten. Sobald also berechtigte Zweifel am Pflichtverstoß vorliegen, die über reine Schutzbehauptungen des Arbeitnehmers hinausgehen, kann die Verdachtskündigung schnell unwirksam sein.

Wer als Arbeitnehmer mit dem Vorwurf einer Verdachtskündigung konfrontiert wird, sollte so früh wie möglich einen Rechtsanwalt hinzuziehen und sich unter keinen Umständen ohne anwaltlichen Rat beim Arbeitgeber äußern.


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Vor einigen Jahren weckte das Phänomen Whistleblowing zum ersten Mal das weltweite Interesse: Im Jahre 2013 übergab der ehemalige CIA- und NSA-Mitarbeiter Edward Snowden der Presse in Hongkong unzählige geheime Dokumente. Dadurch machte er die Überwachung des weltweiten Internetverkehrs durch Programme britischer und amerikanischer Geheimdienste öffentlich. Die NSA-Affaire war eine der Folgen seiner Enthüllungen.  Snowden lebt jetzt in Russland mit ungeklärter Zukunft. Seine Lebensgeschichte diente drei Jahre später als Vorlage für einen deutsch-amerikanischen Kinofilm („Snowden“). Während die einen den berühmten Whistleblower als Helden feiern, verachten ihn die anderen als Verräter und Nestbeschmutzer. Fundiertes Wissen über den Inhalt des Whistleblowings und die möglichen Konsequenzen haben jedoch nur wenige. Whistleblowing kommt vom englischen Audruck „ to blow the whistle“ und heißt „jemanden verpfeifen“ oder „Alarm schlagen“.

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